Wer im Südschwarzwald ein Therapiezentrum für Pferde eröffnet, kommt vermutlich nicht automatisch auf die Idee, ihm einen portugiesischen Namen zu geben.
Bei mir ist das ein bisschen anders.
Ich bin Halb- Portugiesin und Portugal war deshalb schon immer ein Teil meiner Geschichte. Später habe ich in Évora studiert und das Land noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt. Nicht als Urlaubsziel, sondern als Ort, an dem ich gelebt, gelernt und Alltag erlebt habe.
Und dann ist da noch das Meer.
Als ich nach einem Namen für mein Therapiezentrum gesucht habe, wusste ich eines ziemlich früh:
Das Meer muss darin vorkommen.
Nur wie?
Ich habe mit Freunden gebrainstormt, Wörter kombiniert und mit ziemlich unterschiedlichen Namen gespielt. Einer davon war zum Beispiel MARÉ – portugiesisch für Gezeiten. Dazu ist mir sogar ein passendes Akronym eingefallen:
Movement Ability Rehabilitation for Equines.
Fachlich irgendwie clever.
Nur vermutlich hätte ich den Rest meines Berufslebens damit verbracht zu erklären, was der Name eigentlich bedeutet. 😉
Also ging die Suche weiter.
Denn eigentlich wollte ich gar keinen komplizierten Namen. Ich wollte zwei Dinge miteinander verbinden, die zu mir und meiner Arbeit gehören:
Pferde und Meer.
Auf Portugiesisch:
Cavalo und Mar.
Und irgendwann wurde daraus:
CavalMar.
Ein Name, der diese beiden Welten zusammenbringt – und gleichzeitig meine Verbindung zu Portugal in sich trägt.
Was mir damals allerdings noch nicht bewusst war: Wie gut das Meer irgendwann auch als Bild für meine Arbeit passen würde.
Eine Welle lässt sich nicht kontrollieren. Wir können sie beobachten, lernen sie einzuschätzen – und vor allem lernen, mit ihr mitzugehen, sie zu reiten, statt gegen sie anzukämpfen.
Genau dieser Gedanke prägt auch meinen Umgang mit Pferden.
Für mich geht es nicht darum, ein Pferd zu dominieren oder um jeden Preis eine bestimmte Reaktion zu erzwingen. Ich möchte verstehen, was es mir gerade zeigt, darauf reagieren und gemeinsam einen Weg finden.
Miteinander statt gegeneinander.
Und von dort ist der Schritt zur Rehabilitation eigentlich gar nicht mehr so groß.
Auch Heilung lässt sich nicht erzwingen. Wir können gute Bedingungen schaffen, Belastungen reduzieren, Training anpassen und gezielt behandeln. Aber wir können einem Körper nicht vorschreiben, wie schnell er darauf reagieren soll.
Was wir können, ist beobachten, verstehen und immer wieder anpassen.
Vielleicht müssen wir also weder beim Pferd noch in der Rehabilitation gegen jede Welle ankämpfen. Manchmal kommen wir weiter, wenn wir lernen, mit ihr mitzugehen.
Genau darin steckt heute für mich sehr viel CavalMar:
Gesundheit beginnt mit Verständnis.
Auf meiner letzten Reise durch Portugal ist mir immer wieder aufgefallen, wie viele dieser Gedanken mir auch an ganz anderen Stellen begegnen.
Bei jahrzehntealten Korkeichen. In Landschaften, in denen Pferde und Ziegen plötzlich eine ganz andere Aufgabe übernehmen. Beim Bemalen portugiesischer Kacheln. Und sogar an einem Strand, der wenige Wochen später schon wieder ganz anders aussah.
Vielleicht liegt es an meinem Beruf – aber offenbar kann ich auch im Urlaub nicht ganz aufhören, über Pferde, Gesundheit und Rehabilitation nachzudenken. 😉
So wurde aus der Reise ganz nebenbei eine Sammlung kleiner Geschichten und Beobachtungen. Manche haben unmittelbar mit Pferden zu tun, andere erst auf den zweiten Blick.
Und genau die möchte ich in den nächsten Wochen hier erzählen.
Es wird also kein klassischer Reiseblog. Und ganz sicher auch keine tiermedizinische Vorlesungsreihe.
Es geht um Portugal, seine Landschaft und Kultur, um Pferde und andere Tiere – und um die manchmal überraschenden Verbindungen zu Gesundheit, Rehabilitation und meiner Arbeit bei CavalMar.
Vielleicht erklärt diese Reise am Ende sogar noch ein bisschen besser, warum ein Pferderehazentrum mitten im Schwarzwald ausgerechnet CavalMar heißt.
Cavalo und Mar. Pferd und Meer.
Und ziemlich viel dazwischen.