Eigentlich wollte ich nur frühstücken.
Ich saß im Jardim Público de Évora mit einem leckeren Folhado misto und einem Laib Brot aus der Bäckerei nebenan, als die ersten Tauben bemerkten, dass da möglicherweise etwas für sie abfallen könnte.
Also flogen ein paar Brotkrümel.
Und dann kam der erste Pfau.
Dann der zweite. Der dritte. Und irgendwann standen fünf oder sechs dieser wunderschönen blauen Herren um mich herum und warteten ebenfalls auf ihren Anteil. 😂
Bis eine Pfauenhenne auftauchte.
Sie hatte ein noch ziemlich kleines Jungtier dabei – und plötzlich änderten sich die Spielregeln.
Kam einer der großen Pfauen dem Jungtier zu nahe, schickte die Mutter ihn weg. Auch bei den Tauben griff sie ein und sorgte dafür, dass ihr Kleines in Ruhe fressen konnte.
Dann kamen ein paar deutlich kleinere Vögel dazu.
Und diesmal machte die Pfauenmutter:
nichts.
Ihr Junges begann selbst, die kleinen Konkurrenten vom Futter wegzuschicken. Es hatte offenbar ziemlich genau beobachtet, wie Mama das macht.
Und sie ließ es machen.
Gegenüber einem ausgewachsenen Pfau stellte sie sich schützend dazwischen.
Mit einem kleinen Vogel durfte ihr Junges die Sache selbst klären.
Erst als Mutter und Jungtier satt waren und sich ins Gras zurückzogen, durften übrigens auch die Herren wieder ans Buffet. 😂
Ich fand diese kleine Szene erstaunlich spannend.
Die Pfauenmutter ließ ihr Junges nicht mit allem allein.
Aber sie nahm ihm auch nicht alles ab.
Wo Unterstützung nötig war, griff sie ein. Wo es die Situation selbst bewältigen konnte, ließ sie es ausprobieren.
Und natürlich musste ich irgendwann an unsere Pferde denken.
Gerade wenn sie an einen fremden Ort kommen oder vor einer neuen Aufgabe stehen, fällt es manchmal gar nicht so leicht, ihnen zuzutrauen, dass sie auch ohne unsere Hilfe zurechtkommen.
Vielleicht gehört zum Beschützen aber manchmal genau das:
ihnen den Raum zu geben, an etwas Neuem zu wachsen.
Und nur dann einzugreifen, wenn die Herausforderung wirklich zu groß wird.
Ansonsten dürfen wir vielleicht einfach danebenstehen und unserem Pferd zutrauen, den kleinen Vogel selbst wegzuschicken. 😉