Die Sorraias kenne ich schon länger. Auf meiner Reise durch Portugal konnte ich diesmal aber zwei ganz besondere Vertreterinnen dieser seltenen Pferderasse persönlich kennenlernen: Annas Sorraia-Stuten.
Ihre Geschichte ist dabei fast genauso spannend wie die der Rasse selbst.
Vor einigen Jahren mussten die Stuten wegen eines Waldbrandes evakuiert werden und kamen vorübergehend dorthin, wo Anna damals arbeitete. Später übernahm sie die Tiere selbst und kümmert sich seitdem um sie.
Und damit wurde aus einer zufälligen Begegnung irgendwann auch die Frage: Wie kann man dazu beitragen, dass eine seltene Pferderasse erhalten bleibt?
Sorraias gehören zu den autochthonen Pferderassen Portugals. Typisch sind ihre Falbfarben, der Aalstrich und häufig auch Zebrazeichnungen an den Beinen.
Die heutige Population geht auf einen ausgesprochen kleinen Gründerbestand zurück. Nachdem Ruy d’Andrade bereits 1920 Pferde dieses Typs im Tal des Sorraia beobachtet hatte, begann 1937 eine Erhaltungszucht mit gerade einmal sieben Stuten und drei Hengsten.
Die Population konnte wieder wachsen – ihr genetisches Fundament blieb jedoch klein.
Und genau das ist bis heute eine Herausforderung: Genetische Untersuchungen zeigen bei den Sorraias eine geringe genetische Vielfalt und hohe Inzucht.
Mehr Pferde bedeuten eben nicht automatisch mehr genetische Vielfalt.
In Portugal gibt es deshalb verschiedene Bemühungen, die Sorraias zu erhalten.
Im Großen Côa-Tal werden sie beispielsweise im Rahmen von Rewilding Portugal semi-wild gehalten. Dort verbindet sich der Erhalt der seltenen Rasse sogar mit ihrer ökologischen Funktion als großer Pflanzenfresser in der Landschaft.
Annas Weg ist deutlich kleiner – und ganz privat.
Sie gehört keinem solchen Projekt an, sondern kümmert sich auf eigene Faust um ihre Stuten. Für die Zukunft überlegt sie, mit einem sorgfältig ausgewählten Hengst auch selbst Nachzucht zu ziehen und damit ihren eigenen kleinen Beitrag zum Erhalt der Sorraias zu leisten.
Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt beim Erhalt alter, regionaler Rassen.
Sie sind nicht nur ein Stück Kulturgeschichte. Sie tragen auch eine genetische Geschichte in sich, die über viele Generationen entstanden ist.
Eine Population kann zahlenmäßig wieder wachsen.
Verlorene genetische Vielfalt lässt sich aber nicht einfach wiederherstellen.
Und so stehen bei Anna heute zwei kleine falbfarbene Stuten auf der Weide – und vielleicht beginnt dort irgendwann ein weiteres kleines Kapitel in der Geschichte der Sorraias.
Manchmal beginnt Erhalten eben genau so: mit jemandem, der beschließt, dass etwas nicht einfach verschwinden soll.